Ideen-Verkäufer im Osten
Die Stewardessen in Fliegern von und nach Moskau kennen Karl-Heinz Knoop.
Viel zu gut, meint der Riesenbecker, weil durch seine Geschäftsreisen
die Zeit am Schreibtisch knapp wird. Er baut und verkauft Silo-Komplexe, Trocknungs-,
Reinigungs- und Lagereinrichtungen für Getreide – hauptsächlich
in den Osten Europas. Mit viel Erfolg. Innerhalb von dreieinhalb Jahrzehnten
hat Knoop mit Riela ein Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern und Niederlassungen
in Polen, der Ukraine, Russland, Belarus sowie Rumänien geschaffen.
Fotos von silbern blinkenden Blechsilos, einzeln oder in Reihe und bis zu
30 Meter hoch, beherrschen die Prospekte der Marketingabteilung auf Russisch,
Rumänisch,
Polnisch und Englisch. Getreide-Anlagen sind der Riela-Exportschlager, Technik
und Maschinen für die sich entwickelnde Landwirtschaft in Osteuropa mit
dem verkaufsfördernden Siegel „Made in Germany". Im russischen
Belgorod nahe der ukrainischen Grenze entsteht derzeit ein Silokomplex zur
Lagerung und Verarbeitung von 100 000 Tonnen Getreide. Ein 4,5 Millionen Euro
Auftrag. Auch für Riela, deren Exportanteil inzwischen bei 75 % liegt,
noch eine Herausforderung.
Fest verwurzelt
Dörenthe, Birgte und Riesenbeck sind kleine Orte unterhalb von Ibbenbüren.
Daher stammt und dort lebt der gelernte Kaufmann Knoop. Selbst im von Riesenbecker
Landmaschinen abgeleiteten Firmennamen „Riela"
steckt die Heimat. Knoop sieht sich selbst als Teil der Landmaschinenbau-Industrie,
konzentriert im Münsterland und im angrenzenden südlichen Niedersachsen.
Krone in Spelle, Grimme in Damme, Claas in Harsewinkel, die Amazonen-Werke
Dreyer in Hasbergen, Lemken im niederrheinischen Alpen und „wir als
die Kleinen" sind die Koordinaten auf der Knoopschen Regionalkarte.
Seit über 20 Jahren wird die Konstruktionstechnik der Getreideanlagen
von den Riela-Ingenieuren so weiterentwickelt, dass aus den 0,75 bis vier
Zentimeter dicken Blechen im Baukastensystem immer neue Konstruktionen für
die Trocknung und Lagerung von Getreide werden. Rund 4 Millionen Euro hat
Riela vor einem Jahr in eine Laserschneidanlage mit vollautomatischer Tafelbelegung
aus einem Hochregallager und zusätzlicher Kantbank investiert. LaserRoboter
schneiden nun rund um die Uhr die verzinkten und Aluminum-Bleche.
Vertrauen in „made in Germany"
„Made in Germany" schafft in Osteuropa „große Erwartung",
erlebt Knoop immer wieder bei den Käufern, deren Vertrauen für ihn
und seine Mitarbeiter das wichtigste Kapital ist. „Wir verkaufen Ideen,
arbeiten wie Architekten." Deshalb beraten sie nicht nur vor Ort in Osteuropa,
sondern auch in Riesenbeck und an Riela-Anlagen im Münster- und Emsland.
Sie planen die Anlage mit dem Kunden nach dessen Bedürfnissen exakt vor
und liefern pünktlich. Das ist Programm ebenso wie Montagen, Einweisungen,
Schulungen und Fortbildungen in Riesenbeck oder der Kundendienst vor Ort.
Das Vertrauens-Servicepaket hat seinen Preis, macht sich aber spätestens
bezahlt, erzählt Knoop, wenn der nächste Auftrag ansteht.
Für seine Besucher aus dem Osten hat Knoop sogar eine komplette Sauna
ins Gästehaus einbauen lassen. Die Zeiten wodka-seeliger Geschäfte
sind im Osten Europas vorbei, auch wenn das Klischee in deutschen Medien weiterlebe.
Der Russland-Experte: „Das ist längst kein Thema mehr." Was
der Unternehmer im Kreis Steinfurt einzig an Infrastruktur vermisst, sind
Direktflüge vom Flughafen Münster/ Osnabrück gen Osten. „Da
müsste mehr getan werden."
Im Osten investiert
Im Ausland hat Riela inzwischen rund 300 Mitarbeiter, fast fünf mal mehr
als im Kreis Steinfurt. Schon um Strafzöllen zu entgehen, hat Riela durch
die geringeren Transportkosten beim Baukastenprinzip die Montage in die Käuferländer
verlegt und dort auch Arbeitsplätze geschaffen. Knoops Motto: „Man
muss nicht nur nehmen, sondern auch geben können." Seine Bereitschaft
zu ehrlichem und langfristig angelegtem Engagement war mit ein Türöffner
für ihn in Osteuropa. Seine anderen Türöffner tragen die Namen
bekannter NRW-Minister wie Clement, Steinbrück, Schwanhold und Schartau.
Auf ihren Delegationsreisen und mit dem Wolga-DonVerein wurden seit den neunziger
Jahren die zahlreichen Außenwirtschaftsaktivitäten des Landes stärker
gebündelt und die Interessen der Wirtschaft ganz besonders auf die großen
Industrie- und Handelsstädte an der Wolga ausgerichtet. Knoop war von
Anfang an mit dabei: „Ich bin gerne in Osteuropa". Aber längst
geht der Blick der Riesenbecker noch weiter nach Osten: Im April ist Riela
mit einem Stand auf der „AgriChina" in Peking vertreten.
erschienen in: Wirtschaftsspiegel v. 03.2006
RIELA-Chef Karl-Heinz Knoop aus Riesenbeck hat noch Pläne im Osten